Mi

06

Jun

2012

Ein paar Gedanken zur Diskussion ums Urheberrecht

Anlass für diesen Blog-Eintrag ist der Gastkommentar „Wir wollen das Urheberrecht nicht abschaffen!“ von Christopher Lauer in der Online-Ausgabe von „Der Tagesspiegel“ am 30. Mai, vor allem auch die Leser-Kommentare zu diesem Gastkommentar. Ich verfolge diese Diskussion nun schon eine Weile und habe viele destruktive, aber auch ein paar konstruktive Artikel/Kommentare/Beiträge zu diesem Thema gelesen/gehört/gesehen.

 

Zunächst einmal möchte ich auf die Forderung der Piraten eingehen, das nicht-kommerzielle Filesharing zu legalisieren. Auf dem ersten Blick scheint diese Forderung radikal. Doch schauen wir uns zunächst mal den Status Quo an.

Fakt ist, im Internet wird Filesharing betrieben, eine Menge sogar. Es wäre eine sehr schwierige Aufgabe, irgendwo einen 20-jährigen zu finden, der nicht irgendwann mal etwas illegal aus dem Netz geladen hat. Einige werden dafür zur Rechenschaft gezogen, sie werden Abgemahnt und müsste hohe Strafen zahlen, die sehr schnell im Bereich von tausenden Euro liegen.

Doch: Dies passiert eigentlich nur den „Dummen“ die sich mit der Materie vorher nicht genug auseinandergesetzt und für den Download ein Peer-to-Peer Netzwerk, bzw. Torrents genutzt haben. In diesem Netzwerken ist jeder Downloader auch gleichzeitig Uploader. Eigentlich ein geniales System, da, vorausgesetzt ein gewisser Verteilungsgrad ist erreicht, die entsprechende Datei auf keinem zentralen Server mehr liegen muss. Stattdessen wird die Datei von anderen Rechnern auf der ganzen Welt heruntergeladen, die diese Datei zuvor bereits über dieses Netzwerk geladen haben. Das Problem dabei ist jedoch: Bei dieser Technik lässt sich relativ leicht die IP-Adresse eines Downloaders ermitteln. Mit dieser kann man nun zum Provider gehen, seine Adressdaten erfragen und dem Täter schließlich eine Abmahnung zuschicken.

 

Daher nutzen die viele für illegale Downloads auch keine Peer-to-Peer-Netzwerke mehr, sondern One-Klick-Hoster, wie zum Beispiel Rapidshare oder das seit kurzem geschlossene Megaupload. Bei diesem wird das entsprechende Werk einfach hochgeladen und mit Hilfe eines Links können es andere wieder herunterladen. Die Downloader sind dabei praktisch nicht zu ermitteln, denn die One-Klick-Hoster speichern nicht, wer wann welche Datei heruntergeladen hat. Zum einen tun sie dies nicht, da es für sie zusätzliche Arbeit und damit auch zusätzliche Kosten sind, die ihnen aber keinen Mehrwert bringen, zum anderen würden sie dadurch Beweismaterial sammeln, das im Zweifelsfall gegen sie verwendet werden könnte. Dagegen tun kann man praktisch nichts. Man kann den Hostern nicht vorschreiben, dass bestimmtes Material bei ihnen nicht hochgeladen werden darf, denn der Upload an sich ist noch nicht strafbar, da er als Sicherheitskopie unter die Privatkopie fällt. Die Straftat entsteht erst, wenn der Uploader den Link zu der entsprechenden Datei öffentlich teilt. Doch kann man die Filehoster auch nicht dazu zwingen, zu überwachen, wer welche Links zu welchen Dateien im Internet veröffentlicht, denn dies würde eine komplette Überwachung des Internets durch den Filehoster verlangen und wäre technisch und wirtschaftlich für den Filehoster unmöglich. Die gängige Praxis ist daher, dass ein Filehoster eine Datei erst dann vom Netz nehmen muss, wenn er davon Kenntnis erlangt hat, dass diese Datei unrechtmäßig verbreitet wird. Meistens geschieht das dadurch, dass der Rechteinhaber den Filehoster darauf aufmerksam macht.

 

Nach aktuellem Stand werden als nur die verfolgt und bestraft, die sich nicht auskennen, die anderen laden ungestört weiter herunter, als gäbe es überhaupt kein Gesetz, das dies verbieten würde. Nun gibt es zwei Möglichkeiten, mit dieser Situation umzugehen:

 

Eine Möglichkeit wäre, den Verkehr im Internet stärker nach Urheberrechtsverstößen zu überwachen oder die Filehoster stärker in Pflicht zu nehmen oder sie gar zu verbieten. All dies bringt aber weitere Probleme mit sich. Ein Verbot von Filehostern ist darin problematisch, das bei Filehostern nicht nur illegales Material hochgeladen wird, sondern auch legales. So lassen sie sich zum Beispiel dafür nutzen, die Fotos vom letzten Urlaub mit Freunden zu teilen oder seine selbst produzierte Musik an seine Fans kostenlos zu verteilen. Problematisch ist es auch, die Filehoster zu zwingen, den Upload von geschütztem Material zu verhindern, denn einerseits ist der Upload an sich noch keine Straftat, andererseits lässt ich eine Datei leicht so verändern/verschlüsseln, dass sie von den Filtern des Filehosters nicht mehr erkannt werden.

 

Bleibt noch die Überwachung des Datenverkehrs im Internet, konkret gesagt die Deap Paket Inspection. Bei dieser schaut der Provider, also ihr Internetanbieter, in jedes Paket an Dateien, das sie über das Internet verschicken und empfangen, rein und kann so ermitteln, was sie da gerade herunter- oder hochladen. Dadurch erfährt der Provider aber nicht nur, ob sie gerade geschütztes Material hoch- oder runterladen, sondern auch, ob sie gerade eine E-Mail an ihren Anwalt oder anzügliche Fotos an ihre/n Freund/in schicken. Dies wäre also damit vergleichbar, ob die Post jeden ihrer Briefe öffnen und lesen würde, um sicherzustellen, dass sie nichts unerlaubtes verschicken.

 

Auch ist damit nicht das Problem gelöst, ob es sich dabei um einen rechtmäßigen oder unrechtmäßigen Download handelt. Woher soll der Provider wissen, ob sie sich gerade illegal ein Musikstück von einem Filehoster herunterladen oder ob es sich bei dem Download um ein Musikstück handelt, das sie gerade auf einem Musikportal legal erworben haben?

 

Und auch der Protest gegen solche Maßnahmen wäre enorm und sicherlich deutlich größer als der Protest gegen das Zugangserschwerungsgesetz und ACTA zusammen. Ein solches Vorhaben würde dem Ansehen der Rechteinhaber bei den Nutzern nur noch mehr schaden.

 

Ein andere Möglichkeit ist das legalisieren von nicht-kommerziellen Filesharings, wie es die Piraten fordern. Ganz nach dem Motto: Da man es sowieso nicht kontrollieren und verfolgen kann, kann man es auch gleich legalisieren. Dabei muss man auch bedenken, dass es sich hierbei nur um das nicht-kommerzielle Filesharing handelt, das kommerzielle bleibt weiterhin strafbar. Und die bisherige Praxis zeigt, dass ein Angebot von Gerichten sehr schnell als kommerziell eingestuft wird. In vielen Fällen reicht es schon aus, dass auf einer Webseite ein Werbebanner eingeblendet wird, damit die Webseite als kommerziell eingestuft wird, denn mit jedem Webseitenaufruf macht der Betreiber Gewinn. Würde der Betreiber nun also einen Link zu einem Download eines geschützten Werkes auf dieser Webseite bereitstellen, wäre dies bereits kommerzielles Filesharing, da sich durch die Bereitstellung des Links seine Aufrufzahlen erhöhen und er somit mehr Geld für die Einblendung von Werbung erhält. Gerade die Uploader und die Verbreiter von solchen Links müssten sich gründlich überlegen, ob sie damit nicht doch illegal handeln. Eindeutig nicht illegal wäre dadurch aber das Herunterladen. Alternativ könnte man auch fordern, das Herunterladen wieder zu legalisieren, während das Hochladen weiterhin illegal wäre. Dies war auch bis zum 31.12.2007 in Deutschland so der Fall. Erst seit dem 1.1.2008 steht auch das Herunterladen unter Strafe. Ist seitdem die Anzahl der illegalen Downloads zurückgegangen? Wohl kaum.

 

 

 

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Mi

28

Mär

2012

Mass Effect 3 - Ein umstrittenes Ende

Bild: masseffect.com (c) BioWare
Bild: masseffect.com (c) BioWare

Die meisten, die sich mit Videospielen beschäftigen, werden sicherlich schon mal etwas über die Mass Effect Reihe von BioWare gehört haben, selbst wenn sie die Spiele nicht selbst gespielt haben. Diesen Leuten wird auch sicherlich nicht entgangen sein, dass das Ende von Mass Effect 3 höchst umstritten ist. Viele Fans (und auch ich) sind der Meinung, dass das Ende zu verwirrend, zu unlogisch und zu unbefriedigend sei. Im Ende wimmelt es nur so von Logikfehler, von denen einige wiederum Fakten wiedersprechen, die in den vorherigen Teilen geschaffen wurden. Noch schlimmer ist aber, dass das Ende äußerst unbefriedigend ist, erfährt man doch so gut wie kaum etwas darüber, was letzten Endes mit den Charakteren passiert, welchen einen teilweise seit dem ersten Spiel der Mass Effect Trilogie begleitet haben. Ich selbst möchte in diesen Artikel nicht direkt spoilern, folgendes Youtube Video erklärt die Kritiken der Fans etwas ausführlicher (mit Spoiler):

Die Kritiken der Fans gehen sogar so weit, dass sich Gruppen wie „Retake Mass Effect 3“ auf Facebook und Twitter gebildet haben, die ein neues Ende von BioWare fordern. Dabei geht es diesen Fans größten Teils nicht darum, ein Happy End zu bekommen, sondern ein Ende, das aus ihrer Sicht mehr Sinn macht.

Andere wiederum sind der Meinung, dass man Videospiele nicht als Kunst betrachten und gleichzeitig ein anderes Ende für ein Videospiel fordern kann. Dies greife die künstlerische Integrität der Entwickler an.

Ich für meinen Teil denke, dass es das gute Recht der Fans ist zu sagen, dass sie mit dem Ende nicht zufrieden sind und warum sie es nicht sind. Genauso gut ist es aber auch das Recht der Entwickler, das Ende so zu lassen, wie es jetzt ist. Künstler erhalten positive und negative Kritiken. So funktioniert Kunst nun mal.

Das ganze wäre auch kein Problem, wenn Videospiele nur Kunst wären. Sie sind aber mehr, sie sind gleichzeitig auch ein Produkt. Die Entwickler sind darauf angewiesen, dass sich ich Spiel verkauft, sonst fehlen ihnen die Mittel, um zukünftig neue Spiele entwickeln zu können. Die große Kritik über das Ende könnte Auswirkungen auf die Verkaufszahlen haben, schließlich lassen die aufgebrachten Fans auch auf Amazon und anderen Bewertungsportalen ihren Frust über das Ende freien Lauf. So verwundert es kaum, dass Mass Effect 3 auf Amazon.com im Schnitt gerade mal mit 2-3 Sternen bewertet wird.

 

Dies zwingt die Entwickler dazu, Veränderungen am Ende in Betracht zu ziehen, nicht unbedingt wegen der Forderungen der Fans, sondern vielmehr wegen den möglichen Auswirkungen auf zukünftige Verkaufszahlen. Beim Entwickler BioWare, bzw. beim Publisher EA geht es nun also vor allem darum, Schadensbegrenzung zu betreiben. Nachdem BioWare/EA versucht hatten, den Protest auszusetzen, sah man sich dann doch irgendwann gezwungen, eine offizielle Stellungnahme zu veröffentlichen, in der es heißt, dass zukünftige DLCs für mehr Klarheit in der Mass Effect 3 Story sorgen sollen.

 

Ob damit aber nun völlig neue Enden, abgewandelte Enden oder zusätzlicher Inhalt, der das jetzige Ende genauer erklären soll, gemeint sind, bleibt offen.

 

Interessanter ist allerdings die Frage, wie es überhaupt zu einem Ende kommen konnte, das viele Fans so enttäuscht hat. Eine Möglichkeit wäre natürlich, dass dies das Ende war, das die Entwickler wollten, sie aber die Reaktionen der Fans schlicht unterschätzt haben. Eine andere Möglichkeit ist, dass den Entwicklern die Zeit ausging und man das Ende überstürzt erstellt hat. Dies würde vielleicht auch erklären, warum bisher kein einziger Entwickler direkt zum Ende Stellung genommen hat, geschweige denn versucht hat es zu verteidigen und den Inhalt des Endes genauer zu erläutern, da sie womöglich selbst nicht mit ihrem Ende zufrieden sind.

 

Eine weitere Theorie besagt, dass dies gar nicht das Ende ist, das die Entwickler im Sinn haben, sondern dass sie nur mit den Spielern spielen, dass das wirkliche Ende von Anfang an als DLC oder weiteren Mass Effect Titel geplant war. So versuchen Fans mit Hilfe von Videos des Endes dazulegen, dass es sich bei dem jetzigen Ende in Wirklichkeit nur um eine Art Traum handelt. Und es ist irgendwie erschreckend, wie nachvollziehbar und passend die Argumente dieser „Verschwörungstheorie“ doch sind. Größten Teils passt diese Theorie auch besser in das Gesamtbild des Mass Effect Universums als das Ende selbst.

 

Eine ganz andere Möglichkeit wäre noch, dass das Ende zwar so beabsichtigt war, aber schlicht und einfach schlecht geschrieben wurde. Dafür spricht vor allem ein Brief, der über einen Account im Penny Arcade Forum gepostet worden sein soll, von dem bekannt ist, dass er dem Autor Patrick Weekes gehört, welcher zum Autorenteam von Mass Effect 3 gehörte.

 

In diesem Brief berichtet er, dass das Ende lediglich vom Executive Producer Casey Hudson und vom Lead Writer Mac Walters geschrieben wurde. Das restliche Autorenteam sei beim Ende nicht mit einbezogen worden. Dies erkläre auch die starken qualitativen Unterschiede zwischen dem Ende und der Rest der Story.

 

Später erklärte Community Manager Chris Priestly, dass er mit Patrick Weekes gesprochen habe und dieser im gesagt habe, dass er diesen öffentlichen Brief nicht geschrieben habe. Allerdings muss dies nicht zwangsläufig bedeuten, dass der Brief nicht von Weekes stammt, da er dies auch gesagt haben könnte, um nicht seinen Job zu verlieren.

 

Im Endeffekt weiß also nur BioWare/EA selbst, wie das Ende zu Stande gekommen ist und wie es nun weiter gehen soll. Genaues dazu wird man wohl im April erfahren, dann soll es neue Infos zu den kommenden DLCs geben.

 

Um die Zeit bis dahin zu vertreiben, gibt es hier noch ein paar Artikel, die detailliert erläutern warum das Ende von Mass Effect auf inhaltlicher und emotionaler Ebene so enttäuschend ist (Spoiler Warning):

 

Mass Effect 3 Ending-Hatred: 5 Reasons The Fans Are Right

 

Why you enjoy art and the one problem with Mass Effect 3

 

All That Matters is the Ending, Part 2: Mass Effect 3

 

Das Ende von Mass Effect 3 war also enttäuschend, der Soundtrack aber war fantastisch:

 

 

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So

11

Mär

2012

Atomkraft ist nicht gleich Atomkraft

Ich hatte mich mit dem Thema Atomkraft hier bereits vor fast einem Jahr beschäftigt. Seitdem hat sich meine Meinung zu dem Thema jedoch ein wenig gewandet.

Hört man in Deutschland „Atomkraft“, denken die Meisten direkt an unsichere, höchst instabile Kernkraftwerke, die jederzeit ganze Landstriche für Jahrzehnte unbewohnbar machen können. Die Atomkraftgegner argumentieren, dass die Technik zu gefährlich, nicht kontrollierbar, die Kosten nicht kalkulierbar und das Endlagerungsproblem nicht lösbar sei.

 

Und zu einem gewissen Teil haben sie auch recht. Es ist richtig, dass bei den in Deutschland überwiegend existierenden Kernkraftwerken, welche vor allem Siede- und Druckwasserreaktoren sind, immer das gewisse Risiko einer Kernschmelze besteht, einige Überholungsbedürftig sind und sie eine Menge radioaktiven Abfall produzieren.

 

Sich gegen diese Technik auszusprechen, ist also vollkommen legitim. Falsch ist es hingegen, die Atomkraft an sich zu verteufeln, wie es die Medien und viele Atomkraft-Gegner in den letzten Monaten getan haben. Viele haben in der Diskussion um die Atomkraft in Deutschland nicht erkannt, dass es viele unterschiedliche Techniken zur Nutzung der Atomkraft gibt, die sich teilweise deutlich unterscheiden. Stattdessen hat man die Atomkraft allgemein zum Todfeind erklärt.

 

Jeder Reaktortyp hat eins gemeinsam: Die Umwandlung von Masse in Energie. Diese Art der Energiegewinnung ist an sich eine phantastische Idee, da es keinen effektiveren Weg gibt, Energie zu erzeugen. Die Frage ist nur, wie man diese Umwandlung angeht.

 

Die allgemeine Anti-Atomstimmung in Deutschland hat jedoch nun zur Folge, dass in diesem Bereich in Deutschland nicht weiter geforscht wird, sei es aufgrund des öffentlichen Druckes oder aufgrund des Fehlens von Fördermitteln. Dies bedeutet aber auch, dass Deutschland sich nicht mehr an der Forschung von alternativen Reaktorkonzepten beteiligt.

 

Eines dieser alternativen Konzepte ist der Flüssigsalzreaktor, auch molten salt reactor genannt. Auch hier findet die Spaltung von Atomen statt, aber nach einem anderen Verfahren. Ich möchte hier jetzt nicht das Verfahren genau erklären, dafür habe ich auf den entsprechenden Wikipedia-Artikel verlinkt.

 

Aber ich möchte auf die Vorteile dieses Reaktortyps eingehen. Zunächst einmal setzt dieser Reaktor auf eine andere Zerfallskette zur Energiegewinnung, welche mit dem Element Thorium beginnt. Dieses kommt wesentlich häufiger als Uran vor und ist in seiner natürlichen Form nicht radioaktiv. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Brennstoff zu 98% verbrannt wird. Bei der Kernspaltung mit Uran beträgt dieser Anteil nur 2-5%. Da mehr Material verbrannt wird, wird dementsprechend auch mehr Energie gewonnen. Für dieselbe Energiemenge bräuchte man also deutlich weniger Thorium als Uran. Dies bedeutet auch, dass im Flüssigsalzreaktor deutlich weniger Abfallprodukte entstehen, welche zudem auch nach ca. 300 Jahren ungefährlich sind. Dies ist eine deutliche Verbesserung gegenüber den bestehenden AKWs und eine Lagerung für 300 Jahre wäre absolut machbar. Auch ist es möglich, dem Reaktor bestehenden Atommüll zuzuführen, welcher dann weiter aufgespalten und somit „verbrannt“ wird.

Der wohl größte Vorteil dieses Reaktortyps ist aber wohl, dass aufgrund seiner Funktionsweise und Konstruktion keine Kernschmelze stattfinden kann. Sollten Systeme ausfallen, z.B. ein Kühlkreislauf, erlischt die Reaktion. Im Gegensatz zu bestehenden Kraftwerken ist die Kühlung folglich nötig, damit die Reaktion überhaupt stattfinden kann.

 

Das Konzept für diesen Reaktor besteht schon seit den 60iger Jahren, wurde seit dem aber, obwohl damals schon ein Testreaktor gebaut wurde, nicht weiter erforscht, da man sich für die Zerfallskette mit Uran entschied. Diese Entscheidung war damals leicht nachzuvollziehen: Bei der Nutzung von Uran als Energielieferant ließ sich leichter nebenbei waffenfähiges Material erzeugen, ein entscheidender Punkt im kalten Krieg, welcher heute jedoch eher negativ als positiv betrachtet wird.

 

Da man das Konzept damals nicht weiter führte, sind heute weitere Forschungen nötig, um einen kommerziell betreibbaren Reaktor herstellen zu können.

 

Der Flüssigsalzreaktor hebt alle Kritikpunkte der Atomkraftgegner größten Teils auf. Jedoch sind zu viele Atomkraftgegner in ihrem Glauben gefangen, Atomkraft sei in jeder ihrer Form böse, die meisten Gegner sind nicht genug über die Funktionsweisen der Energiegewinnung aus Kernspaltung informiert. Dies ist sehr hinderlich. Denn durch die Nichtbeteiligung an Forschungen zu diesem Reaktortyp entgeht Deutschland eine viel versprechende Technik.

 

Seit einiger Zeit ist auch ein englischsprachiger Dokumentarfilm zu diesem Reaktortyp in Arbeit. Mit etwas Glück erscheint er noch dieses Jahr.

 

 

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Mo

30

Jan

2012

Der Versuch des BKAs, die Vorratsdatenspeicherung zu verteidigen

Als Reaktion auf das am Freitag veröffentlichte Gutachten der kriminologischen Abteilung des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht, welche Mitte 2010 vom Bundesamt für Justiz in Auftrag gegeben und nun vom Chaos Computer Club geleakt wurde, veröffentlichte das BKA eine eigene Studie, die die Notwendigkeit der Vorratsdatenspeicherung (kurz VDS) verdeutlichen soll.
Diese Studie des BKAs stellt zunächst einmal auf den ersten 10 Seiten des 16 Seiten umfassenden Textes fest, dass im Zeitraum von März 2010 bis April 2011 (also nachdem die VDS vom Bundesverfassungsgericht gekippt wurde) kurz gesagt 84,45% der Anfragen an Telekommunikationsanbieter nach Verbindungsdaten nicht erfüllt werden konnten , da die Daten bereits nicht mehr vorlagen oder gar nicht erhoben wurden.
Dies ist auch nicht verwunderlich, da Telekommunikationsanbieter seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts im März 2010 nicht mehr verpflichtet sind, diese Daten über 6 Monate auf Vorrat zu speichern.

Weiterhin wird auf den ersten 10 Seiten erläutert, welche Taten mit der Datenanfrage in Verbindung standen und um welche Daten es sich genau handelte.

Richtig interessant wird es jedoch erst ab Seite 11. Dort sagt die Studie aus, dass von den 84,45% der Fälle, bei denen keine Daten mehr erhalten werden konnten, 82,73% nicht aufgeklärt, 12,22% nur unvollständig und 5,05% erst zu einem späteren Zeitpunkt aufgeklärt werden konnten.  Als Grund wird dafür das Fehlen der Verkehrsdaten angeführt.

Dies halte ich für höchst problematisch. Denn es impliziert, dass diese Fälle mit den Daten alle hätten aufgeklärt werden können und nur das Fehlen der Daten am Misserfolg verantwortlich ist. Auch werden keine Angaben über die 15,55% der Fälle gemacht, bei denen man die Verkehrsdaten von den Telekommunikationsanbietern erhalten hat. Wie sahen da die Aufklärungsraten aus? Wir wissen es nicht, da BKA es uns in dieser Studie nicht mitteilt. Und hier wirft sich mir die Frage auf, warum man diese Daten verheimlicht. Sehen die Aufklärungsquoten bei den Fällen mit den Telekommunikationsdaten etwa genauso aus, wie bei den Fällen ohne Telekommunikationsdaten? Dies würde ja bedeuten, dass die VDS keine Auswirkung auf die Aufklärungsquote habe. Im Umkehrschluss wäre es doch auch unlogisch, diese Daten zu verheimlichen, wenn sie zeigen würden, dass bei den Fällen, bei denen die Kommunikationsdaten vorliegen, eine höhere Aufklärungsquote vorliegt und somit gerade für die VDS sprechen würde.

Das Gutachten des Max-Planck-Instituts zeigte, dass die VDS keine Auswirkungen auf die Aufklärungsquote der Straftaten hatte. Dazu wurden Aufklärungsquoten aus Jahren mit VDS mit Quoten aus den Jahren ohne VDS analysiert. Der BKA-Studie gelingt es aber nicht, diese Aussagen des Gutachtens zu widerlegen. Die Studie des BKA jongliert nur wild mit Zahlen herum, ohne dabei die Erfolgsquoten von Fällen mit VDS mit den Erfolgsquoten ohne VDS zu vergleichen, stattdessen behauptet sie, dass die Fälle, bei denen eine Anforderung der Telekommunikationsdaten erfolglos waren, nur deswegen unzureichend aufgeklärt werden konnten, weil eben diese Daten nicht vorlagen. Dieses Vorgehen unterscheidet sich nicht von den Behauptungen, die VDS hätte im Fall der Zwickauer Terrorzelle, im Kampf gegen Terrorismus im Allgemeinen oder im Kampf gegen Kinderpornographie so besseren Aufklärungserfolgen führen können. Diese Behauptungen bleiben schlicht unbelegt, ebenso wie die Behauptung der BKA Studie, dass diese Fälle nicht oder nur unzureichend aufgeklärt werden konnten, weil die Telekommunikationsdaten nicht vorlagen.

Was also bleibt ist das Gutachten des Max-Planck-Instituts und das Beispiel Berlin: Erst vor kurzem wurde bekannt, dass die dortige Polizei in den letzten Jahren insgesamt 4,2 Millionen Handy-Verbindungsdaten abfragte, um Autobrandstiftern auf die Spur zu kommen. Fazit dieser Fahndungsaktion: Keine einzige Brandstiftung wurde aufgeklärt. In diesem Fall waren die Täter vielleicht einfach so schlau gewesen, ihr Handy während der Tat abzuschalten oder zu Hause zu lassen.

 

 

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Mo

19

Sep

2011

Bastelstunde: Mirror’s Edge mit PhysiX auf neueren Nvidia Grafikkarten

Am Sonntag bot Steam Mirror’s Edge für nur 2,50€ an, ein Preis, bei dem man einfach zuschlagen muss. Mirror’s Edge stammt aus dem Jahre 2009. Es sollte also problemlos auf einer GTS 450 mit GB Videospeicher laufen. Es sollte. Nach einem 21 stündigen Download (mit DSL 1000 brauchen 7,4 GB nun mal etwas) startete ich also Mirror’s Edge. Dumm nur, dass es bereits im 2. Level unheimlich anfing zu Ruckeln, nachdem die Wächter das Feuer auf mich eröffnet hatten. Das ganze hatte mehr etwas von einer Diaschau als von flüssigem Gameplay. Eine Google-Suche offenbarte dann irgendwann das Problem: PhysiX, das Physikprogramm von Nvidia läuft nicht richtig. Dass heißt, es läuft schon, jedoch über die CPU und nicht über die Grafikkarte, was das Spiel unheimlich verlangsamt. PhysiX wurde so entwickelt, dass seine Rechenaufgaben auch von der CPU übernommen werden kann, seine wahre Stärke zeigt es aber, wenn es von einer unterstützenden Nvidia-Grafikkarte berechnet wird. Der CPU-Mode ist für PCs gedacht, deren Grafikkarte PhysiX nicht unterstützen. Die in meinem PC verbaute GTS 450 ist aber noch recht neu und unterstützt die Nutzung von PhysiX. Warum also Ruckelt es so, sobald die Physikeffekte gefragt sind.

 

Weitere Google-Suchen ergaben: Der Entwickler hat geschlampt. Mirror’s Edge liefert selbst Treiber für PhysiX mit. Das Problem ist jedoch, dass das Spiel unbedingt diese Treiber verwenden möchte, die Treiber aber, die mit dem Spiel aus 2009 stammen, zu alt für die neueren Grafikkarten von Nvidia sind.

 

Zum Glück gibt es aber für dieses Problem eine recht simple Lösung. Alles, was man machen muss, ist in den Installationsordner von Mirror’s Edge zu gehen, darin den Ordner „Binaries Ordner“ zu öffnen und die Dateien „PhysXCore.dll“ und „PhysXDevice.dll“ zu entfernen. Danach nutzt das Spiel die PhysiX Treiber, die man mit seiner Grafikkarte zusammen installiert hat.

 

Es wäre wohl zu viel verlangt gewesen, dass EA bzw. DICE bedacht hätten, dass folgende Grafikkarten von Nvidia den alten, mitgelieferten PhysiX Treiber nicht unterstützen könnten. Da aber die Problematik sicherlich nicht erst sein heute bekannt ist, hätte man dieses Problem auch sicherlich leicht durch einen Patch beheben können. Da Mirror’s Edge finanziell aber nicht sehr erfolgreich war und inzwischen im Einzelhandel auch nur noch 10€ kostet, hat man einen Patch wohl als unwirtschaftlich abgetan und den Support eingestellt. Bleibt einem als Kunde also nicht anderes übrig, als dass Problem zu googlen und selbst zu beheben.

 

 

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